Das darf doch wohl nicht wahr sein!


22.11.2017

So gehen Sie effektiv mit Ärger um

Meine These:

Ärger zeigt Situationen auf, die einerseits immer wiederkehrend sind und andererseits noch nicht locker bewältigt werden können. Also lerne!

Sie haben die Wahl – entweder Sie tappen immer wieder in die Ärger-Falle – oder Sie wachen auf und überlegen sich, was Sie noch lernen oder ansprechen müssen, um sich zukünftig nicht mehr aufzuregen. Ärger ist so gesehen ein Geschenk, denn das Gefühl ist ein Weckruf unseres Körpers. Er hält uns ein Stoppschild vor und zwingt uns dazu, inne zu halten, die Situation zu analysieren, uns selbst zu reflektieren, um dann kraftvoll und effizient zu handeln.

Um gelassener zu werden und seltener zu erzürnen, müssen wir lernen, mit dem aufkommenden Ärger konstruktiv umzugehen.

Der Clou ist: Wenn Sie bereit und offen dafür sind, dem Ärger im Augenblick des Entstehens auch Raum zu geben, ist es gleich halb so schlimm. Gegen den ersten Schub können wir grundsätzlich erst einmal gar nichts tun. Danach aber sollten wir die aufkommende Energie dafür nutzen, unsere Meinung zu sagen. Sprechen Sie aus, was Sie stört. Akzeptieren Sie die Emotion, dass Sie sich ärgern, und lassen Sie sie vorbeigehen. Danach haben Sie einen klaren Kopf, um das Problem zu bewältigen. Seine Emotionen zuzulassen und sie anschließend umzuwandeln ist gerade im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen essenziell.

Es gibt sieben klassische, wiederkehrende Situationen, in denen Menschen sich oft ärgern. Dabei gibt es konkrete Wege, wie Sie dem sinnvoll begegnen.

  1. Ärger im Straßenverkehr: „Da nimmt der Typ mir doch glatt einfach so die Vorfahrt und entschuldigt sich noch nicht einmal!“ Gedanken wie diese über das mangelnde Fahrtalent anderer kennen Sie. Doch anstatt sich aufzuregen, denken Sie sich zuerst: „Der darf das!“ Freuen Sie sich danach über Ihren eigenen, natürlich stets vollkommen perfekten Fahrstil. Denn Ihnen kann so etwas ja nicht passieren. Aber zum Glück ist nichts passiert, also genießen Sie die Fahrt, die Musik und Ihr Auto.
  1. Ärger über Mitarbeiter, Kollegen und Geschäftspartner: Sie sind zum vereinbarten Zeitpunkt im Meeting, doch Ihr Kollegen lässt auf sich warten – mal wieder! Handeln Sie in Situationen wie diesen klug. Anstatt wütend zu sein, rufen Sie denjenigen an und fragen, ob es sich lohnt zu warten. Wenn ja, genießen Sie die Pause und denken an etwas Schönes. Sie wünschen sich so oft eine Pause – jetzt haben Sie eine. Machen können Sie ja sowieso nichts.
  1. Ärger über Unordnung: Die Unterlagen liegen unsortiert auf dem Schreibtisch, der Mülleimer quillt über und das Regal hinter dem Schreibtisch Ihres Mitarbeiters ist auch völlig überfüllt. Um dem Chaos gelassen zu begegnen, halten Sie einen Moment inne, anstatt sofort loszumeckern und fragen sich: „Wofür kann ich jetzt dankbar sein?“. Im Falle der unordentlichen Mitarbeiter oder Kollegen seien Sie zunächst dankbar, dass sie alle einen sicheren Arbeitsplatz haben und gutes Gehalt verdienen. In diesem Bewusstsein sprechen Sie deutlich an, warum Sie es anders haben wollen, dann hat Ihre Message gleich eine viel größere Wirkung.
  1. Ärger über Angriffe anderer: Wenn Sie das nächste Mal von anderen verbal angegriffen werden, sagen Sie nach einer kurzen Atempause möglichst freundlich (!!!) und vielleicht sogar lächelnd mit Blickkontakt: „Interessant, dass Sie das sagen, wie genau meinen Sie das?“ Sie werden sehen, es funktioniert. Erst zeigen Sie so (bitte ehrliches!) Interesse und dann gewinnen Sie Zeit und Informationen. Trainieren Sie das – es macht Sie unabhängig und zu einem starken Gesprächspartner.
  1. Ärger über unsinnige Aussagen anderer: „Was für ein Quatsch!“ denken wir häufig, wenn es um andere geht. Doch mal ehrlich: Handeln und denken Sie nicht manchmal genauso und sind in der Hinsicht eigentlich gar nicht besser als die anderen? Nutzen Sie die Fähigkeit Ihres Gehirns, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Spannend ist: Ihr Gehirn reagiert besonders stark auf Ihren eigenen Namen. Fordern Sie also laut und deutlich: „Christian, STOPP!“ Wenn andere dabei sind, rufen Sie diese Worte in Gedanken. So kommen Sie aus dem Ärger-Strudel heraus und erkennen, dass Sie selbst auch manchmal Unsinn erzählen. Jetzt sind Sie in der Lage, freundlich und bestimmt Ihre eigene Meinung zum Thema kundzutun.
  1. Ärger über sich selbst: Dass uns etwas nicht gelingt oder wir etwas vergessen, kommt eben doch vor. Wenn Sie sich in solchen Momenten denken, „Superstars dürfen das“, und die Frage „Ist es lebensbedrohlich?“ stellen, verfliegt die Aufregung ganz schnell. Sie werden schmunzeln und einsehen, dass es halb so schlimm ist. Beim nächsten Mal achten Sie einfach mehr drauf und haben wieder etwas gelernt.
  1. Ärger im Streit: Diskussionen und Auseinandersetzungen mit anderen sind wichtig, regen uns aber dennoch oft auf. Unterbrechen Sie den nächsten lautstarken Streit deshalb kurz und überlegen Sie sich: „Will ich Recht haben oder glücklich sein?“Das ist eine starke Technik, um zum Kern des Konfliktes zu kommen. Sagen Sie nach dieser „Selbstberuhigung“ dann, was Sie wollen und wozu Sie bereit sind, um den Streit zu schlichten.

Ihr und Euer
Christian Bremer


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