Ein Interview mit Stephan Landsiedel


18.07.2017

Kennen Sie schon Stephan Landsiedel? Er ist Inhaber und Gründer von Landsiedel NLP Training, einem NLP-Institut mit über 30 Standorten. Der Diplom-Psychologe ist Autor von zahlreichen Büchern und Hörbüchern.
Meiner Ansicht ist NLP eine wirksame Methode, die zu echter Gelassenheit beitragen kann. Aus diesem Grund habe ich ihn gebeten, mir einige Fragen zu beantworten. Denn er kennt sich aus:
Seit über 15 Jahren ist er Trainer und NLP-Ausbilder. Als Trainer, Vater und Unternehmer ist es sein Bestreben, jeden Tag voller Kraft und Leidenschaft Spitzenleistung authentisch vorzuleben. Stephan Landsiedel ist NLP-Lehrtrainer, DVNLP, NLP-Master-Trainer nach der International Association of NLP-Institutes, NLP-Trainer nach INLPTA und vieles mehr. Er gehört mit über 2.500 zum Thema NLP durchgeführten Seminartagen zu den erfahrendsten NLP-Trainern weltweit.
Ich wünsche viel Spaß beim lesen.
Ihr und Euer
Christian Bremer
Sie haben ein wunderbares persönliches Glaubensbekenntnis:
„Ich glaube, dass Träume mächtiger sind als Tatsachen, 
dass der Mythos überzeugender ist als die Geschichte,
dass die Hoffnung immer über die Erfahrung triumphiert,
dass Lachen das beste Heilmittel ist und ich glaube, 
dass die Liebe stärker ist als der Tod.“
Haben Sie da ein paar Hintergrundinfos? Warum, wieso, wie kamen Sie darauf?
Ich habe als Jugendlicher diese Sätze in einem Buch gelesen und sie haben mich elektrisiert. Ich habe tagelang darüber reflektiert und schließlich einen sehr persönlichen Text über mehr als 50 Seiten dazu geschrieben und ihn in den Jahren danach immer weiter vervollständigt. 
Es ist ein Ausbruch aus einer Wissenschaft geprägten, rational geordneten Welt. Hoffnung, Träume und Mythos, das sind Elemente, die zutiefst in uns Menschen angelegt sind und mit ihrer Hilfe gelingt es uns neue Tatsachen zu schaffen, die Geschichte umzuschreiben und unsere Vergangenheit in Form bisheriger Erfahrungen zu überwinden. 
Diese Sätze haben immer wieder Kräfte in mir freigesetzt, die mich im Laufe meines Lebens in die Lage versetzt haben, immer mehr zu verändern und Dinge zu erreichen, die andere für unmöglich gehalten hätten. 
Wir können die materielle Welt um uns selbst verändern, wenn wir uns innerlich verändern. Gedanken und Worte sind sehr mächtig.
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Sie beschäftigen sich auch mit NLP – wie lässt sich Gelassenheit damit erzeugen? Was sind Ihre drei „Lieblings-Entstressungs-Techniken?“
I
Gelassenheit ist ein Zustand. Im NLP gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, seinen Zustand zu verändern. 
Strategie Nummer 1 geht über den Körper. Wir nennen das eine Veränderung unserer Physiologie. Das heißt, ich verändere meine Atmung und meine Körperhaltung in Richtung Gelassenheit.
Strategie Nummer 2 geht über den Geist. Ich denke an eine Situation in der Vergangenheit, in der ich sehr gelassen war. Was habe ich damals gesehen, gehört, gefühlt. Indem ich mich wieder in diese Situation hinein versetzte, kann ich dieses Gefühl wieder aktivieren. Wenn ich möchte, kann ich dann dieses Gefühl auch mit einem Anker festhalten, um es später wieder sehr schnell abzurufen.
Strategie Nummer 3 nennt sich „so-tun-als-ob-Prinzip“ dabei tue ich so, als ob ich gelassen wäre und vertraue darauf, dass mein inneres System schon genau weiß, was es jetzt dafür braucht. Strategie Nummer 4 geht über die innere Stimme. Ich sage mit einer angenehmen inneren Stimme zu mir selbst: „Ich bin ruhig und gelassen …“
Am allerbesten aber lässt sich Gelassenheit erzeugen, in dem man eine Core-Transformation macht. Das dauert ca. 30 Minuten und ist eine recht komplexe NLP-Anwendung, bei der man in einen erhabenen, erleuchteten inneren Zustand kommt, der danach in der Regel für viele Stunden anhält und bei häufigerem Praktizieren sich auch dauerhaft im eigenen Leben manifestiert. Manche vergleichen die Wirkung damit, wie sie Menschen haben, die jahrelang auf Bergen sitzen und meditieren.
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Stress ist ein persönlicher, eher unangenehmer Zustand wie Ärger, Druck oder Frust – wie lässt sich dieser Zustand verändern?
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Durch alle unter 2 genannten Methoden:
1. Veränderung der Physiologie (Sport, Atmung, gezielte Bewegungen),
2. Veränderung des Gedankenfokus in eine andere Richtung,
3. Durch die gezielte Anwendung einer speziell dafür gemachten NLP-Technik. Hier wäre für die Anwendung jedoch zu unterscheiden, welche Art von unangenehmer Zustand es genau ist, es gibt beispielsweise Methoden für Phobien, Ängste, Traumata, Meinungsverschiedenheiten mit anderen Personen, innere Konflikte, Enttäuschungen usw.
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Was nervt Sie persönlich immer wieder mal und wie gehen Sie damit um?
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Mich nervt immer mal wieder, dass manche Menschen sehr egoistisch ihre Bedürfnisse auf Kosten des Gemeinwohls befriedigen, indem sie beispielsweise die Umwelt verschmutzen oder sogar im großen Stil die Natur ausbeuten, um wirtschaftlichen Profit damit zu machen. Wie gehe ich damit um: Ich atme tief durch und überlege, wie man Systeme bauen kann, die das verhindern bzw. es unvorteilhaft für diese Menschen macht. Dann mache ich mir bewusst, was mein Anteil dabei sein kann und beginne zu handeln. Falls mich der Gedanke persönlich weiter belastet, dann dissoziiere ich mich von dem Gedanken und betrachte ihn von außerhalb. In anderen Methoden würde man wahrscheinlich sagen: „Ich durchlaufe ein inneres Muster, um den Gedanken loszulassen.“ Es ist sehr wichtig, dass wir auf diese Weise immer wieder Psychohygiene betreiben, da wir sonst gar nicht mehr handlungsfähig wären und vollgestopft mit negativen und nicht konstruktiven Gedanken.
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Wovon, so glauben Sie, könnten wir noch mehr tun, um sich glücklicher, erfüllter und gesünder zu fühlen?
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Ich denke, dass wir eine integralere Lebensweise (im Sinne Ken Wilbers) brauchen, d. h. uns gezielt auf eine ganzheitliche Weise den verschiedenen Bereichen unseres Lebens – Körper, Geist, Seele – zuwenden sollten. Dazu gehört Meditation oder Entspannung, Achtsamkeit gegenüber anderen Menschen und der uns umgebenden Biosphäre (also Tiere, Pflanzen, Natur usw.). Gute und tiefe Beziehungen sind genauso wichtig für unsere Gesundheit wie der Umgang mit unserem Körper (Ernährung, Bewegung usw.). Wir brauchen auch ein spirituelles Wachstum, in dem Sinne, dass Menschen ihren Sinn vom Leben finden und ihre Stärken zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen können. Ich sehe gerade viel Trennung in der Welt. Damit meine ich z. B. Wettbewerb, Fehlersuche, Unterschiedsbildung. Aber gleichzeitig besteht viel Sehnsucht nach verbindendem, gemeinschaftlichen, Zusammenarbeit. Wir verschließen uns den anderen oft, anstatt uns zu öffnen und zu verbinden. Ich glaube, den Menschen würde es aktuell gut tun und sie mehr erfüllen, wenn sie mehr nach Liebe als nach Leistung und Anerkennung streben würden. Dafür braucht es einen inneren und äußeren Wertewandel. Die Lösungen sind meines Erachtens schon da. Es braucht jedoch viele Menschen, die sie umsetzen und dann von der Politik auch die Manifestierung in die äußeren Systeme einfordern. 
Auf der individuellen Ebene sollten Menschen ihre Psyche genauso trainieren wie ihren Körper. Viele gehen regelmäßig ins Fitnessstudio, aber mit ihrem Geist bleiben sie träge. Wir sollten täglich mentale Fitnessübungen mit NLP oder anderen Methoden machen, um einfach unser gigantisches Potenzial auch auszuschöpfen und gelassener und glücklicher mit dem umzugehen, was uns so im Verlaufe eines Tages von außen begegnet.
Herr Landsiedel, DANKE!

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