Schnaufen Sie den Zuhörern ins Gesicht


24.01.2017

Den Tag, an dem ich Isabel GarcÍa zum ersten Mal auf der Bühne erleben durfte, werde ich nicht vergessen. Sie wurde angekündigt, ging auf die Bühne, stellte sich ruhig hin, um dann zu… .

Verraten werde ich es Ihnen jetzt nicht, erleben Sie es selbst. Ein bisschen Spannung ist ja wohl erlaubt (Nein, sie hat nicht geschnauft). Mein Glück war, dass wir beide als Redner beim selben Event gebucht waren und ich sie so erleben konnte.

Sie gehört im deutschsprachigen Raum seit Jahren zum führenden Expertenkreis in Sachen Rhetorik, ihr Hörbuch „Ich rede“ habe ich schon unzählige Male gehört.

Bekannt ist sie vielen bereits unter anderem aus dem ZDF, RTL und der Wirtschaftswoche.

Zum Glück konnte ich sie für einen Gastbeitrag gewinnen, dessen Ideen für gelassene Rhetorik ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte. Weitere Infos finden Sie unter www.ichrede.de.
Und: Schnaufen Sie den Zuhörern ins Gesicht.

Hier also ihre Tipps.

Viel Spaß und beste Grüße,
Ihr und Euer Christian Bremer

Schnaufen Sie den Zuhörern ins Gesicht

Okay. Das wäre etwas übertrieben. Doch in der Tat hilft die Ausatmung ungemein, wenn Sie entspannt reden möchten. Wenn Sie nämlich Respekt vor einem Vortrag, einer Rede oder einer Präsentation haben, dann atmen wir häufig viel zu viel ein. Die Vorstufe der Hyperventilation führt zum Blackout und sorgt für einen unruhigen Körper, einer zittrigen Stimme und einem wackligen Gang.

Wenn Sie merken, dass die Aufregung im Körper immer höher krabbelt, dann atmen Sie so lange es geht aus. Bis Sie das Gefühl haben, dass keinerlei Sauerstoff mehr in Ihnen ist, dann erst atmen Sie ganz kurz ein und atmen so lange es geht wieder aus. Wenn Sie mindestens vier Mal so lange ausatmen, dann kommt wieder Ruhe in den Körper. Wir atmen unbewusst stets dann aus, wenn alles wieder gut ist.

Beispiel: „Ist das eine Spinne?“ (EIN-Atmung) – „Gott sei Dank, doch nicht!“ (AUS-Atmung).

Genau diese Entspannung gönnen Sie Ihrem Körper, wenn Sie so lange wie möglich ausatmen. Schlägt die Aufregung wieder zu, dann eben wieder so lange es geht ausatmen. Das können Sie laut machen, wenn Sie noch nicht vor den Zuhörern stehen oder eben lautlos durch die Nase. Sie brauchen somit wirklich nicht zu schnaufen, um die überschüssige Luft los zu werden. Sich auf die Ausatmung zu konzentrieren ist eine der besten Tipps gegen Lampenfieber und für ein entspanntes Reden.

Was gibt es noch? Viel zu viel, um es in einem kleinen Artikel alles zu erwähnen. Aber das muss ich auch gar nicht. Denn Sie wissen ganz genau, was Ihnen gut tut. Wenn Sie zu Hause entspannt auf dem Sofa liegen, dann gönnen Sie Ihrem Bauch meistens entspannt seine Freiheit, Sie haben positive Gedanken und machen sich über Ihre Mimik, Ihren Stand und Ihre Körpersprache keine Gedanken. Das brauchen Sie auch nicht. Erstens weil Sie gerade liegen und zweitens weil wir automatisch überzeugend reden, wenn es uns gut geht. Dann machen wir unbewusst vieles richtig.

Sie kennen dieses Gefühl, wenn Sie morgens schon mit dem Gefühl aufwachen, dass Ihnen die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. An diesen Tagen führen Sie die besten Verhandlungen, lösen jeden Konflikt und halten großartige Vorträge. Diese Entspannung können Sie reproduzieren, wenn Sie mal bewusst wahrnehmen, was Sie unbewusst in entspannten Situationen richtig machen. Wie fühlt sich der entspannte Bauch inklusive Atmung an, wenn Sie auf dem Sofa liegen? Merken. Wie stehen Sie gerne, wenn Sie mit Freunden in der Kneipe reden? Merken. Wie ist Ihre Körpersprache und Mimik, wenn Sie mit Ihrem Lieblingskollegen über ein neues Projekt reden? Merken.

Merken Sie sich diese vielen Dinge. Wenn Sie die einmal bewusst wahrgenommen haben, dann können Sie dies auch in herausfordernden Situationen reproduzieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich an die gängigen Rhetorikregeln halten, denn an diesen besonderen Tagen sind Sie auch überzeugend, obwohl Sie den Rhetorik-Regel-Dschungel völlig außer Acht lassen. Sie können auch mit verschränkten Armen überzeugend einen Vortrag halten, wenn Sie diese Geste privat häufig einsetzen.

Es ist nicht so wichtig, was IN oder OUT ist, sondern was Sie stärkt oder schwächt. Und alles, was Sie automatisch in entspannten Situationen anwenden, wird Sie wohl stärken. Also merken und bewusst einsetzen. Ich wünsche Ihnen erst einmal viel Spaß dabei, sich selbst besser kennen zu lernen und auch viel Spaß beim nächsten Vortrag.


Weitere Themen im Blog:

Cool auch vor schwierigen Präsentationen und Meetings

11. Juli 2016

Wann sind Sie am schlagfertigsten? Genau, nach dem Meeting… Die meisten Präsentationen und Meetings bewältigen Sie mit Links, gar keine Frage. Weil es aber immer mal wieder zu Situationen kommt, in denen eine gewisse... Mehr erfahren

Wirklich locker bleiben vor Präsentationen und Reden

25. Oktober 2016

Schluss mit Lampenfieber und Redeangst Wer ist schon immer gelassen, wenn es darum geht, vor Gruppen zu sprechen? Gleich zu Beginn im ersten Semester meines Studiums (Anfang der 90er) in Dortmund sollte ich eine Präsentation... Mehr erfahren

Weihnachten mal ohne Stress

12. Dezember 2013

So, es ist mal wieder so weit. Weihnachten steht vor der Tür und die meisten öffnen die Tür. An sich ist es ja ein schönes Fest, doch immer wieder kommt es zu Stress – so habe ich läuten hören. Auch wenn Sie nicht zu... Mehr erfahren