So funktioniert „Work-Life-Balance“


20.12.2016

„Im Rückblick hätte ich viel eher damit beginnen sollen, mich nicht nur um das Wohl der anderen zu kümmern. Ich hätte viel eher für einen Ausgleich zu Stress, Zeitnot und Ärger sorgen müssen. Dazu noch das manchmal hektische Familien- und Privatleben. Damit hätte ich meiner Depression und meinem Burn-out leicht vorbeugen können.“

Solche Aussagen höre ich immer wieder. Auch wenn sie meine Aufträge als Seminarleiter und Vortragsredner sichern, stimmen sie mich nachdenklich, manchmal sogar traurig. Daher möchte ich Ihnen im heutigen Newsletter aufzeigen, wie Sie konkreten Maßnahmen für mehr Balance sorgen können.

Was ist Work-Life-Balance?

Der Grundidee nach geht es darum, das Privat- und Berufsleben so zu gestalten, dass eine gesunde Balance beider Aspekte entsteht. So wird zum Beispiel Erfolg mit Gesundheit in Einklang gebracht. In der Praxis gibt es meist ein Ungleichgewicht, weil das Privatleben zu kurz kommt und sich das auf Dauer rächt. Der Appell der bekanntesten Vertreter des Konzeptes besteht daher darin, weniger und anders zu arbeiten und sich mehr um Ausgleich durch Sport oder Entspannung zu kümmern und mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Da stimme ich nur bedingt zu, denn so einfach ist das nicht.

Ein guter Start: Gute Gründe für Work-Life-Balance

Wenn Sie in Ihrem Leben mehr Balance haben wollen, dann brauchen Sie zu Beginn ein starkes Motiv, um dauerhaft am Ball zu bleiben. Dieses Motiv ist meiner Ansicht nach vor allem Ihre Endlichkeit. Stellen Sie sich vor, Sie hätten, ähnlich wie Lebensmittel, ein Mindest-Haltbarkeitsdatum. Daher wüssten Sie, dass Sie beispielsweise noch 5 Jahre zu leben hätten. Würden Sie dann Ihr Leben genau so führen, wie Sie es jetzt tun? Oder würden Sie das ein oder andere anders machen? Die allermeisten Menschen, die auf diese Weise mit ihrer Endlichkeit konfrontiert werden und aus ihrem Leben ein wirkliches Meisterwerk machen möchten, ändern das ein oder andere. Allerdings kann es sein, dass manche Menschen mehr arbeiten, anstatt weniger. Ich zum Beispiel bin selbstständiger Freiberufler und identifiziere mich sehr stark mit meiner Arbeit. Ich bin meine Arbeit und es ist für mich kein Stress, in der Woche bis zu 80 Stunden zu arbeiten. Im Sommer habe ich schulferienbedingt weniger Seminare und Vorträge und werde gegen Ende immer ganz unruhig. Für meine persönliche Balance brauche ich dann Action, keine Freizeit. 

Was kann eigentlich „balanciert“ werden?

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass es vor allem auf eine Balance von Verausgabung und Erholung ankommt. Es ist kein Problem, erschöpft, gefordert und sehr aktiv zu sein, wenn Sie ausreichend Zeit zum Aufladen Ihrer Akkus haben. Viele Menschen habe keine Balance von Erfolg und Gesundheit. Schauen Sie sich um und Sie werden feststellen, dass viele Menschen zwar erfolgreich, aber gestresst sind oder gelassen, aber nicht erfolgreich sind. Ich schlage Ihnen vor: sorgen Sie für beides. Seien oder werden Sie erfolgreich und gelassen. Natürlich weiß ich nicht, was die Begriffe erfolgreich und gelassen für Sie persönlich bedeuten, aber ich weiß, dass Sie diesen Zustand erreichen können. Allerdings ist das kein statischer Zustand, sondern eher ein „Fließgleichgewicht“. Mal haben Sie mehr zu tun und daher auch mehr Stress, mal haben Sie weniger zu tun und daher mehr Ruhe. Das hier vorgeschlagene Verständnis von Work-Life-Balance sorgt dafür, das zu erkennen und ständig durch ein bewusstes Nachsteuern die Balance im Blick zu haben – im Bewusstsein, dass es eine dauerhafte „perfekte Balance“ nicht gibt.

Das größte Missverständnis bei Work-Life-Balance

Lassen Sie sich bitte nicht einreden, dass Work-Life-Balance immer bedeutet, weniger zu arbeiten, mehr Urlaub zu machen und eher Feierabend zu machen. Meiner Meinung nach geht es vielmehr darum herauszufinden, was die persönliche optimale Dosis ist. Und zu erkennen, wenn die Dosis zu hoch oder gering ist. Wenn Sie dabei Ihre Tätigkeit als lästige „Arbeit“ empfinden, nutzen Sie wahrscheinlich nicht Ihren ganzen Gestaltungsspielraum. Wenn Sie großes Interesse an Ihrer Tätigkeit haben, wenn Sie Ihre Tätigkeit lieben, dann kann Ihre Beschäftigung mit einer neuen Thematik für Sie erholsamer als ein Wanderurlaub sein.

Damit Sie diese Ideen in die Praxis umsetzen können, finden Sie jetzt noch 5 Praxistipps für ein Leben in Balance:

1.         Planen Sie jede Woche Balance in Ihren Kalender ein

Blocken Sie sich JETZT Zeit in 2017 für Balance in vier Größen: zu Jahresbeginn planen Sie Blöcke wie Urlaub, Fortbildung oder freie Wochenenden. Zu Monatsbeginn planen Sie sich ein, welche besonderen aktuellen Ideen Sie haben, um in diesem Monat Balance zu halten. Das machen Sie auch wöchentlich und täglich. Wie kann ich heute dafür sorgen, in Balance und damit erfolgreich und gelassen zu sein? Genau so, wie Sie Ihre beruflichen Termine in Ihren Kalender eintragen, tragen Sie auch Aktivitäten ein, die Ihnen Spaß machen (wichtig!) und die für Ihre Balance sorgen. Ob das Joggen, Schwimmen, ein Museumsbesuch oder ein Abend mit der Familie ist, ist dabei egal. Hauptsache, Sie blocken die Zeit, sind konsequent und lassen nichts dazwischenkommen. Hier hilft das Bewusstsein um unsere Endlichkeit.

2.         Balance von Ergebnis und Erlebnis

Viele erfolgsorientierte Menschen sind extrem gestresst, weil sie immer nur auf ihre guten Ergebnisse schauen, dabei aber die Bedeutung von guten Erlebnissen vergessen. Wie können Sie mit einzelnen, kleinen Maßnahmen bei sich selbst und Ihrer Umgebung für „gute Laune“ sorgen? Seien Sie dabei offen für auf den ersten Blick verrückte, aber wirksame Ideen. In jeder größeren Stadt gibt es beispielsweise sehr gute Clowns und Zauberkünstler. Was meinen Sie was mit Ihnen und Ihrem Team passiert, wenn Sie so jemanden überraschend für die Mittagspause mieten? Das ist kein Appell, sondern ein Beispiel. Ich habe keinen Vertrag mit einer weltweit arbeitenden Clownsagentur.

3.         Wort der Woche

Eine so einfache wir wirkungsvolle Methode für Balance besteht darin, sich pro Woche ein Wort zu suchen, welches als Motto über jedem Wochentag steht. Solche Wörter können beispielsweise sein: Glück, Optimismus, Stärke, Ausgleich, Freude, Sport, Ruhe, Erholung, Durchatmen, Lesen.

4.         Sprengen Sie blockierende Glaubenssätze

Seien wir ehrlich: Sie wissen eigentlich sehr genau und sehr konkret, wie Sie für Ihre größere Balance sorgen könnten. Es liegt in Wahrheit doch nicht daran, dass Sie keine Idee haben. Es liegt eher daran, dass Sie sie nicht umsetzen. Natürlich haben Sie dafür gute Gründe im Kopf. Mit folgender Methode erkennen Sie diese und ändern sie dann: Nehmen Sie sich Zettel und Stift und schreiben Sie sich auf, wie Sie folgenden Satz ergänzen:
„Wenn ich mich mehr um meine „Work-Life-Balance“ kümmere, kann das folgende negative Folgen haben:…“.
Fangen Sie dann einfach an, sich vier Wochen lang etwas mehr um Ihre Balance zu kümmern und beobachten Sie, ob die vermuteten Nachteile tatsächlich eintreten. Denn sie werden es nicht.

5.         Tun Sie nur das, wo Sie 100% Ja-Sagen können

Sehr unangenehm: auf einer Party zu sein, auf der man nicht sein will. Es bringt uns Menschen schnell aus dem Gleichgewicht, wenn wir anderen einen Gefallen tun, dies aber nur machen, weil wir nett sein wollen und nicht, weil wir es von uns aus gerne machen. Stress entsteht auch, wenn wir tun, was unser Verstand uns sagt, unser Herz dazu aber nein sagt. Trainieren Sie, mutig nein zu sagen. Denken Sie an Ihre Endlichkeit und sagen Sie, freundlich und bestimmt, „Nein“. Denn: „ein Nein ist ein Ja zu sich selbst“. 

Ihr und Euer
Christian Bremer

PS: Die neuen Termine für den Tag der Gelassenheit 2017 finden Sie hier.


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