Wenn Du gestresst bist, stelle die richtigen Fragen!


18.02.2016

Wenn Sie unangenehm gestresst sind, dann neigen Sie dazu, die Schuld dafür anderen zu geben. Bitte entschuldigen Sie diese kleine Provokation. Obwohl, ist es wirklich eine Provokation? Wenn ich in meinen Intensivseminaren und Vorträgen frage, warum die Teilnehmer gestresst sind, erhalte ich oftmals solche Antworten: wegen meines uneinsichtigen Chefs, wegen meiner übertrieben Druck machenden Kunden, wegen meiner faulen Kollegen, wegen meiner unerzogenen Kinder 😉 und wegen meines Nachbarn, der immer „nur mal kurz“ sein Auto vor meiner Garage parkt. In diesem Augenblick wird doch dem anderen die Schuld für den eigenen Stress gegeben.

Oder etwa nicht? Vielleicht sehen Sie es ja anders, ich habe darüber intensiv nachgedacht – sehe es so. Und diese Sichtweise von „Übernimm die volle Verantwortung für Deinen Stress“ hilft mir sehr dabei, mit meinem Stress geschmeidig umzugehen. Natürlich nicht immer, aber immer öfter.

Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass ich verstanden habe wie gut es für mich ist, die volle Verantwortung für meinen Stress zu übernehmen. Ich habe verstanden, dass, so lange ich den anderen die Schuld für meinen Stress gebe, ich Ihnen auch die mögliche Lösung für meinen Stress geben.

Aber damit bin ich abhängig, damit mache ich mich abhängig. Das klingt jetzt vielleicht für Sie erst einmal komisch, und doch ist es (meiner Ansicht nach) wahr. Denn die darunter liegende Geschichte lautet oftmals: „wenn du dich ändern würdest, wenn du das machen würdest, was ich will ginge, es mir besser“.

So nach dem Opfer-Motto:

  • „Sobald du dich änderst, bin ich nicht mehr gestresst“.
  • „Sobald du das machst was ich möchte, bin ich nicht mehr gestresst“.
  • „Sobald du mit dem aufhörst was mich stört, bin ich nicht mehr gestresst“.

Das ist der wahre und häufigste Grund für unseren Stress, Ärger und Druck: wir übernehmen nicht die volle Verantwortung für unsere Gefühle.

Wir können uns nicht aussuchen, was uns im Leben zustößt. Aber wir können lernen, besser darauf zu reagieren.

Jetzt erwarten Sie wahrscheinlich vollkommen zu Recht von mir, dass ich Ihnen Tipps gebe, wie Sie noch mehr Verantwortung für Ihren Stress übernehmen.

Gerne: wenn Sie abends nach Hause fahren, egal ob per Autozug oder Tretroller, lassen Sie Ihren Tag Revue passieren und stellen sich dabei zwei entscheidende Fragen.

Frage Nummer 1: „Wann hab ich mich heute rundherum so richtig gut gefühlt? Gehen Sie diese Situationen erneut in Farbe mit Schwung intensiv durch. Genießen Sie.

Die 2. Frage lautet: „Wann habe ich mich heute gestresst gefühlt, war unter Druck, habe mich geärgert, hatte Zeitnot…?“ Lassen Sie auch diese Situationen vor Ihrem inneren geistigen Auge Revue passieren und überlegen Sie sich, was Ihr eigener Beitrag zu der Situation war. In der Regel ist das Ihr Urteil über die Situation. Etwas ist passiert, Sie nehmen es war, Sie bewerten es „negativ“ und haben ein „negatives“ Gefühl.

Ich persönlich bin so fest davon überzeugt, dass jeder in meinen Intensivseminaren vom ABC-Denken erfährt, um damit praktisch umgehen zu können  und unabhängiger von dem zu werden, was im Leben zu passiert. Überlegen Sie sich dann zur 2. Frage: „Wie können Sie in Zukunft dieser Situation anders beurteilen?“. Jedoch gehen Sie noch einen Schritt weiter und überlegen Sie sich auch, was für ein anderes Verhalten Sie in der Situation an den Tag legen können, wenn sie wieder vorkommt. So lernen Sie, anstatt erneut zu leiden.

Lernen statt Leiden

Einen Geheimtipp an dieser Stelle: Unter Stress neigen die meisten Menschen dazu, nicht dazu zu fragen. Die meisten Menschen unter Stress leiden neigen eher dazu, zu schweigen oder etwas zu sagen (oder gar laut zu schreien). Lassen Sie beides sein: wenn Sie gestresst sind, halten Sie einen Augenblick inne, atmen durch und überlegen sich 3 schlaue Fragen, die Sie diese Ihrem gegenüber (das ist die Person, von der Sie früher gedacht haben dass Sie wegen ihr oder ihm gestresst sind). Ein Beispiel? Ein Seminarteilnehmer von mir erzählte, er hätte seinen Team einen guten Vorschlag unterbreitet, wie die Arbeit effizienter und effektiver gestaltet werden könnte. Eine Person aus einem Team war dafür, alle anderen waren total dagegen – konnten aber nicht begründen, warum sie dagegen sind. Das habe ihn mächtig aufgeregt. Verständlich. Wir haben die Situation reflektiert und überlegt, welche Fragen er den Leuten (im freundlichen Tonfall!!!) zukünftig in einer ähnlichen Situation stellen könnte, anstatt sich zu ärgern.

Seine Ideen waren „Warum fällt es euch so schwer Gründe zu nennen, die für euch gegen diese Idee sprechen?“ „Habt Ihr eventuell eine bessere Idee, mit der wir an der Stelle effizienter und effektiver werden?“ „Könnt Ihr euch vorstellen, dass wir in der kommenden Woche einen einstündigen Workshop durchführen, um dieses Thema weiter zu besprechen?“ Das Geheimnis von „Gelassenheit gewinnt“ lautet hier:

Wenn du gestresst bist, stelle Fragen.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Ihr und Euer Christian Bremer


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