Zeitkiller Ärger


24.10.2016

Was habe ich mich früher geärgert! Über meine Mitarbeiter. Meine Eltern. Meine Frau. Den Kanzler (ja, ist schon länger her). Zum Glück sagte ein Freund dann eines Tages zu mir: „Christian, was ist eigentlich los mit dir? Du schreibst Bücher über Gelassenheit, hältst Vorträge über Burnout und Co und verschwendest mit deinem Ärger so viel Energie, meistens wegen völlig unbedeutender Kleinigkeiten?“ Erst war ich von diesem Feedback nicht begeistert, kam aber ins Nachdenken. Das ist jetzt 10 Jahre her und mittlerweile halte ich regelmäßig Vorträge zum Thema: „Nie wieder ärgern – Gelassenheit gewinnt“.

Was Ihr also hier lest, ist am eigenen Leib erprobt und für gut befunden. Dennoch habe ich, bevor es losgeht, eine große Bitte an Euch: „GLAUBT MIR KEIN WORT, SONDERN PROBIERT ES AUS“. Nehmt meine Ideen zum Anlass, Euren Weg zu finden. Nur so kann wahre Gelassenheit funktionieren.

Ärger ist eine Verschwendung von Energie, Zeit und Kreativität. Die Tipps hier sollen Euch vor allem dabei helfen, sich seltener über Dinge zu ärgern, die sich in dem Augenblick nicht ändern lassen.

Nach einen Hinweis zur optimalen mentalen Einstellung zum Ärger kommt zuerst ein Tipp, mit dem Ihr generell ruhiger werdet und Ärger vorbeugen könnt. Dann kommt noch abschließend ein Tipp, der Euch dabei hilft, von der Palme runter zu kommen.

TIPP 1: Mentale Einstellung gegenüber Ärger

Betrachtet Ärger als Geschenk! Haltet einen Augenblick inne und denkt über folgende zwei Fragen nach:
a) Wie fühlen wir uns im Ärger? (schlecht, stimmt´s?)
b) Ist die Ärger-Situation einmalig oder eher wiederkehrend? (wiederkehrend, stimmt´s?)
Aufgrund dieser Erkenntnis betrachte ich Ärger als Geschenk: das fiese Gefühl zeigt mir auf, dass ich in einer Situation bin, die ich noch besser bewältigen kann. Das macht Sinn, weil ich – ohne etwas zu lernen – mich immer wieder schlecht fühlen werde. Dazu bin ich zu wertvoll. Und Ihr auch!

Tipp 2: Suche mit MM jeden Tag 3x für eine Minute deine Ruheinsel auf,

um generell ruhiger zu werden und sich so nicht zu sehr ärgern zu lassen, mache ich jeden Tag dreimal für jeweils eine Minute nichts. Richtig gelesen. Ich mache nichts. Drei mal am Tag. Ich setze mich hin, stelle mir mit dem Smartphone einen Timer auf 60 Sekunden, schließe die Augen und beobachte mit der Frage „Wie atme ich?“ meine Atmung. Ich nennen das MM „Meine Minute“. Wer das probiert, spürt sofort wie leicht es ist, sich immer wieder zu beruhigen, bei sich anzukommen und neue Kraft zu schöpfen.

Tipp 3: Wenn du auf der Palme bist, komme in drei Schritten wieder runter

Ärger ist erstmal eine automatische Reaktion – unbewusst. Oder überlegt Ihr Euch „Jetzt wäre es mal Zeit sich zu ärgern?“ Nein, wohl kaum. Es passiert, einfach so. Daher schlage ich vor, sich nicht gegen den Ärger zu stemmen, sondern ihn zu nutzen.
Wie? Ganz einfach…
Schritt 1: trainiert Euch an, erstmal zu warten. Kein Witz, das ist mein erster Appell an alle, die sich weniger ärgern wollen: im Ärger erstmal einen Moment warten. Klappe halten. Nichts tun. So vermeidet Ihr es, dem ersten meist destruktiven Impuls zu folgen und Sachen zu sagen, die Ihr im Rückblick bereut.

Schritt 2: Wundern. Ja wirklich. Im Ärger bewerten wir andere, wollen andere erziehen und sehen deren Fehler. Der Trick: wer sich wundert, wertet nicht. Wundert Euch über den Fahrstil des anderen. Wundert Euch über die Arbeitsmoral der Kollegen. Wundert Euch über das Verhalten der Kunden. Wundert Euch mehr! Es wirkt.

Schritt 3: Werde massiv aktiv! Fragt Euch „Was ist das Beste, was ich jetzt tun kann?“ So kommt Ihr auf gute, konstruktive Ideen, anstatt Porzellan zu zerschlagen. Mir tut es außergewöhnlich gut, etwas anzusprechen, was mich stört, als mich nur zu ärgern. Und das ist ein weitere Geschenk  im Ärger: er zeigt mir auf, das irgendwas noch nicht so ist, wie ich es mir vorstelle. Also spreche ich es freundlich und bestimmt an. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass ich folgende Frage im Rückblick beantworten kann: „Christian, hast du alles getan, was in deiner Macht steht, um dich darüber zukünftig nicht mehr darüber zu ärgern?“ Dafür muss ich ansprechen, was mich stört und ich muss an mir arbeiten. Bei ersten bin ich auf die Mitwirkung anderer angewiesen, beim zweiten zum Glück nicht. Wie schön!

Gelassenheit gewinnt!


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