Christian Bremer
Ein Satz im Meeting trifft dich. Dein Puls geht hoch. Du willst sofort kontern. Oder du sitzt im Auto, Stau, jemand schneidet dich. Dein Kiefer wird fest. Deine Schultern gehen hoch. In dir läuft ein Film, der dich nicht besser macht.
In solchen Momenten brauchst du nichts Komplexes. Du brauchst etwas, das sofort greift.
Eine gute Quelle sind Menschen, die regelmäßig in Chaos und Unsicherheit funktionieren müssen. Militär, Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr. Die nutzen eine Atemtechnik, die so simpel ist, dass dein Kopf sie sogar unter Stress noch schafft. Sie heißt Tactical Breathing. Viele nennen sie Box Breathing.
Ich mag auch den Namen 4×4-Atmung. Schau dir jetzt an, wieso.
Du atmest in vier gleich langen Phasen.
Einatmen. Halten. Ausatmen. Halten.
Wie die vier Seiten eines Quadrats.
Das Entscheidende ist nicht Esoterik. Das Entscheidende ist Rhythmus. Du gibst deinem Nervensystem einen klaren Takt, und du gibst deinem Kopf etwas, das er zählen kann, statt zu dramatisieren.

Setz dich hin oder steh stabil. Füße fest auf dem Boden. Blick weich.
Dann:
Mach davon 4 Runden.
Wichtig dabei: In den beiden Pausen bleibst du locker. Kein Pressen. Kein „ich muss das jetzt schaffen“. Schultern sinken lassen. Kiefer lösen. Stirn glatt.
Wenn du gerade schon auf der Palme bist, genieß kurz die Aussicht. Dann atme das Quadrat.
Stress zieht deine Aufmerksamkeit nach außen. Auf den Tonfall, den Blick, die Ungerechtigkeit. Dein Körper geht auf Alarm.
Box Breathing dreht den Spieß um. Du lenkst die Aufmerksamkeit nach innen. Du gibst deinem Atem ein Tempo, das den Körper Richtung Ruhe bringt. Langsames, bewusstes Atmen zeigt in Studien Effekte auf Herzratenvariabilität und parasympathische Aktivität. Das ist die physiologische Seite von „ich komme wieder zu mir“.
Und es gibt eine zweite Seite. Psychologie.
Dein Gehirn liebt Vorhersagbarkeit, besonders dann, wenn draußen gerade nichts vorhersehbar ist. Vier gleiche Schritte. Vier gleiche Zählzeiten. Du erzeugst Ordnung, während um dich herum Unordnung ist.
Fehler 1: Du spannst in den Pausen an.
Lösung: Stell dir vor, du „hängst“ den Atem nur für vier Zählzeiten auf. Wie eine kurze Pause zwischen zwei Sätzen.
Fehler 2: Du atmest hoch in die Brust.
Lösung: Lass den Bauch mitgehen. Nicht übertrieben. Nur so, dass der Atem tiefer wird.
Fehler 3: Du machst es zu hektisch, weil du schnell fertig sein willst.
Lösung: Du zählst ruhig, wie ein Metronom.
Variante 1: Akut. Wenn du gerade Stress hast.
Du machst 4 Runden. Das passt in eine Minute. Beispiel: bevor du auf eine provokante Mail antwortest. Du sitzt da, Finger schon auf der Tastatur. Du machst erst das Quadrat. Dann schreibst du.
Variante 2: Training. Damit du im Ernstfall schneller runterkommst.
Setz dir einen Timer auf 3 bis 10 Minuten und atme im Quadrat. Viele nutzen 4 Sekunden als Einstieg. Mit Übung gehst du auf 5 oder 6 Sekunden pro Phase, wenn es sich sauber und entspannt anfühlt.
Du willst runterfahren und dich erden. Dann verlängerst du.
Beispiel: 5, 5, 5, 5.
Du willst ruhig bleiben, aber wach und präsent. Dann bleibst du bei 4, 4, 4, 4. Das ist der Klassiker.
Du willst dich sammeln, ohne müde zu werden. Dann verkürzt du.
Beispiel: 3, 3, 3, 3.
Du merkst sofort, was passiert. Dein Körper gibt dir Feedback. Wenn dir schwindlig wird, warst du zu schnell oder zu tief. Dann normalisieren, kurz warten, und mit kürzerer Zählzeit neu starten.
Diese Technik ist nicht nur ein Notfallknopf. Sie ist Vorbereitung. Soldaten und Einsatzkräfte nutzen Tactical Breathing auch kurz bevor es ernst wird. Im Fahrzeug. Vor dem Betreten einer Lage. Damit Fokus und Feinmotorik da sind, wenn es zählt.
Du machst das Gleiche im Alltag. Vor dem schwierigen Gespräch. Vor der Präsentation. Vor dem Telefonat, das du seit Tagen vor dir herschiebst. Du kommst nicht als Opfer deiner Emotionen rein. Du kommst als jemand rein, der sein System führen kann.
Jetzt: Auprobieren!
Heute: 4 Runden, sobald du das nächste Mal Druck spürst.
Morgen: 3 Minuten am Morgen, bevor du ins Handy gehst.
In einigen Tagen: Du hast einen Reflex aufgebaut. Stress taucht auf. Du atmest das Quadrat. Dann entscheidest du, wie du sein willst.
Glaub mir kein Wort. Probier es aus.
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